Thies Stahl:
Die Grundannahmen des NLP

zitiert aus: Thies Stahl: Neurolinguistisches Programmieren. Was es kann, wie es wirkt und wem es hilft. Mannheim 1996. hier S. 14-19

"Eine weitere Definitionsmöglichkeit ist, daß derjenige ein NLP-Therapeut ist, der bestimmte Grundannahmen akzeptiert, die "Glaubenssätze" des NLP. Ähnlich den Axiomen in der Mathematik handelt es sich bei diesen Grundannahmen um Sätze, die der Therapeut als wahr und gegeben annehmen muß, damit er die von diesen Annahmen abgeleiteten NLP-Techniken ohne logische Brüche anwenden kann. Wenn er das "Glaubenssystem" dieser Annahmen nicht teilen kann oder will, kann er die Techniken des NLP nicht ohne innere Vorbehalte anwenden. Diese würden sich als Zögern oder fehlende Überzeugungskraft in seinem Verhalten zeigen und eine erfolgreiche Anwendung sabotieren.

Für potentielle NLP-Ausbildungskandidaten oder -Klienten ist es besonders wichtig, die grundlegenden Annahmen dieser Methode zu kennen und sie mit den eigenen Erwartungen und Glaubenssätzen zu  vergleichen, da dann "Glaubenskriege" mit dem Therapeuten oder Ausbilder über "das richtige Vorgehen" vermieden werden können.

Die Glaubenssätze im Wortlaut

"Die Landkarte ist nicht das Gebiet!" Wir alle haben verschiedene "Karten", innere Abbildungen, von der Welt, mit deren Hilfe wir uns in ihr orientieren. Keine dieser "Karten" stellt die Welt vollständig und akkurat dar.
Man kann das NLP die Kunst nennen, dem Betreffenden zu helfen, seine inneren Abbildungen (Modelle, Karten) so zu verändern, daß er sich mit ihrer Hilfe besser in der Welt und in seinem Leben orientieren kann, bzw. daß er die Welt, das Leben und sich selbst besser annehmen und genießen kann.
Was mental geschieht, also in der Vorstellung und in den Gedanken, geschieht auch im und mit dem Körper. Jeder unterscheidbare Bewußtseinszustand korrespondiert mit einem ebenfalls unterscheidbaren körperlichen Zustand. Im NLP spricht man von der jeweiligen Physiologie des Klienten und meint damit seinen momentanen Bewußtseins- und körperlichen Zustand.
Kommunikation hat nichts mit der Absicht des Kommunizierenden zu tun, und auch nicht damit, die richtigen Worte sagen zu können. Kommunikation hat etwas damit zu tun, ein bestimmtes Erlebnis im Zuhörer zu erzeugen und eine bestimmte Reaktion von ihm zu erhalten.
Dieser Satz bezieht sich nicht nur auf das Können des Therapeuten und auf seine Verantwortlichkeit für das tatsächliche Eintreten der angestrebten Veränderungen des Klienten, sondern er gilt für jeden, der kommuniziert. In Verbindung mit "Die Bedeutung Deiner Kommunikation..." bedeutet diese Grundannahme auch, daß der einfachste Weg, wie ich jemanden so bekommen kann, wie ich ihn haben will, darin besteht, mich selbst so lange zu verändern, bis der andere "wie von allein" so wird, wie ich möchte, daß er sein soll. Das gilt auch für das Verhalten von Therapeuten ihren Klienten gegenüber.
Jede Reaktion kann als Feedback genutzt werden. Im Zusammenhang mit der Grundannahme "Widerstand ist ein Kommentar. . ." bedeutet das: Was auch immer der Klient im einzelnen tut und was der Therapeut dann je nach persönlicher Verunsicherung als Widerstand oder gar unkooperatives Verhalten wahrnehmen könnte, ist ein (meist unbewußter) Hinweis des Klienten, daß etwas Wichtiges in der Therapie noch nicht berücksichtigt wurde. Das heißt, eine zusätzlich vorhandene Fähigkeit des Klienten ist für die angestrebte Veränderung noch nicht nutzbar gemacht worden.
Weiterhin heißt das: Hat der Klient sich entgegen der (ungeduldigen) Erwartung des Therapeuten noch nicht verändert, so bekommt dieser durch eben diese Tatsache die Rückmeldung, daß noch etwas Wesentliches fehlt, damit die Veränderung passieren kann, und, daß er es übersehen hat.
Die Beziehung Therapeut-Klient nennt man wegen der enormen und komplexen wechselseitigen Beeinflussung auch ein System. Aus dieser Grundannahme nun leiteten sich im NLP für den Therapeuten die Erlaubnis, die Aufforderung und auch die Verpflichtung ab, in seinem Verhalten sehr flexibel zu sein: Der Klient ist vor Überraschungen, plötzlichen Wendungen, Provokationen, scheinbaren Ungereimtheiten und Unvorhersagbarkeiten im Verhalten seines Therapeuten nie sicher - natürlich innerhalb der etablierten Vertrauensbeziehung und eines beidseitig akzeptierten Spielraumes respektvollen Verhaltens. "Wenn das, was Du tust, nicht funktioniert, tue etwas anderes!", gehört vor diesem Hintergrund zu den am häufigsten geäußerten Anweisungen von NLP-Ausbildem.
Wichtig ist herauszufinden, wie er im Moment "funktioniert", und es dann zu verändern. Was ist jemand in der Lage, innerlich zu tun, z. B. mit seinen Bildern, um zuverlässig jedesmal panisch zu reagieren, wenn Leute zu spät zu einer Verabredung kommen?
Wenn Menschen andere, angemessenere Verhaltensweisen für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse zur Auswahl hätten, würden sie das nicht tun, was manchmal reine Bosheit zu sein scheint. Zusätzliche Wahlmöglichkeiten zu erschließen ist das wichtigste Ziel im NLP.
Jedes Verhalten des Klienten erfüllt in seinem Leben eine positive Funktion, ungeachtet der schädlichen bis sogar tödlichen Nebenwirkungen, die es eventuell hat.
Gelernt ist gelernt! Es wird im NLP nicht versucht, etwas zu "löschen" (was sowieso nicht geht), sondern es werden zusätzliche Wahlmöglichkeiten geschaffen. Das Verhalten, daß der Klient "loswerden" will, kann in ausgesuchten Situationen noch sehr nützlich sein.
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Dies ist die Grundannahme, mit der Richard Bandler und John Grinder das Unternehmen NLP anfingen.
Was sie brauchen, ist die Möglichkeit, sie so zu organisieren, daß sie zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort Zugang zu ihnen haben.
Möchte ich z. B., daß mein Klient an eine Erfahrung denkt, in der er sich ressourcevoll und gut gefühlt hat, und er sitzt zusammengesunken da, dann muß ich ihn zunächst aus diesem Zustand heraus-"manipulieren" (manchmal wirklich mit den Händen, manchmal mit der Stimme, etc.), damit er in eine Verfassung kommt, in der er überhaupt eine Chance hat, daß ihm die gewünschten Erinnerungen kommen können. Denn: Der Mensch denkt mit dem ganzen Körper!"
Ergänzung aus einem Papier von J. Leistikow:
Wie ißt man einen Elefanten? Stück für Stück."

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