Entscheidungsfindung in Gruppen

07.06.2011 13:40 von Rainer Pivit

Entscheidungsmatrix

Schon vor längerer Zeit hatte ich für ein Netzwerk von Gleichwertigen, an dem wir selbst mitwirkten, ein System ausgedacht, wie wir zu effektiven und für alle Beteiligten akzeptablen Entscheidungen kommen können. Dies habe ich jetzt noch einmal so aufbereitet, dass es jetzt u.a. auch online für Gruppengrößen von 2 bis 1.000 oder mehr Personen nutzbar ist.

Dem eigentlichen Entscheidungsprozess sollte immer ein Gedankenaustausch (Dialog) mit den Beteiligten bzw. Interessierten vorausgehen. Und der zu entscheidenende Vorschlag sollte möglichst präzise dargestellt werden.

Unsere Motivation

In einer Gruppe, wo es keine speziellen Entscheidungsträger gibt, wo also alle Beteiligten gleichwertig sind, wäre eine Konsensentscheidung sicher wünschenswert. Nur, oft gelingt kein Konsens. Oder der Prozess zur Erreichung des Konsens ist zeit- und räumlich nicht angemessen bei Entscheidungsdruck zu bestimmten Terminen - und der Prozess kann ermüdend sein.

Das übliche "demokratische" Modell der Abstimmung und Entscheidung durch die Mehrheit ist zwar schnell machbar, lässt aber Einige zurück, die sich übergangen fühlen. Und bei eventuell nur minimaler Wahlbeteiligung bleibt ein schaler Beigeschmack.

Eine Lösung

Angeregt durch die Lösungsfokussierte Kurztherapie nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg und die dabei eingesetzten Skalierungsfragen, sowie Gedanken zur Open Space Organisation entstand Von 0 bis 10:
Entscheidungsfindung in Gruppen. Eine einfache Methode für Gruppenentscheidungen mittels Skalierungen
.

In diesem Papier bot ich auf Seite 3 an, dass man 2-dimensional auf dem Fußboden arbeiten kann, um die Wichtung darzustellen. In der Praxis führt dies jedoch öfter mal zu unnötiger Verwirrung. Deswegen habe ich die IT-gestütze Version mir noch mal vorgenommen, um sie Ihnen als Tool anzubieten.

Tabellenkalkulation

Als Koordinator der Entscheidungsfindung kann man eine recht einfache, zweiseitige Tabelle im Format von OpenOffice bzw. LibreOffice oder als Excel-Datei verwenden. Füllen Sie auf der ersten Seite das Votum jedes Beteiligten ein und schauen Sie sich das Ergbnis auf der zweiten Tabelle "Auswertung" an.

Online-Tool

Man kann diesen Entscheidungsprozess auch recht einfach online machen. Es gibt dafür ein mittels Google text & tabellen (Google Docs) erstelltes Muster, dass sie gerne weiterverwenden und anpassen dürfen:

Die Fragen

gibt es in diesem Online-Formular. Dies kann man per Mail verschicken oder auch den Beteiligten den Link nennen und um Antworten bitten. Es lässt sich auch in einen eigene Website integrieren. Die Daten aus den ausgfüllten Formularen fliessen automatisch in eine Auswertungstabelle ein.

Die Auswertung

erfolgt über diese Tabelle. Die Daten aus den Formularen werden jeweils oben als neue Zeile angefügt. Deswegen müssen Sie bereits gefüllte Zellen der Spalten G bis I nach oben durch Ziehen erweitern, so dass hinter jedem Votum auch ein (grauer) Wert in den Spalten H und I steht.
Wechseln Sie auf das zweite Datenblatt "Auswertung" und Sie sehen am Entscheidungswert, wie deutlich das Gesamtvotum ist.

Der besondere Vorteil von diesem System mittels Google text & tabellen besteht in der problemlosen zeitlichen Parallelität: Denkbar wäre so zum Beispiel eine Abstimmung per SmartPhone bei einem Treffen. Sobald die Spalten G bis I hinter den Voten gefüllt sind, liegt das Ergebnis vor. Die sonst mühsam Dateneingabe entfällt.

Transparenz

Namentliche Abstimmung ziehe ich hier vor, da man so Manipulationen erschweren kann. Und die individuellen Positionen und Optimierungsideen können dann genauer nachgefragt werden.

Aus Studien über menschliche Schwarmintelligenz ergibt sich tendenziell, dass die Qualität der Entscheidung besser wird, wenn jeder Beiteiligte seine Wertung ohne Kenntnis der Wertung der anderen trifft. Also erst alle Voten sammeln, dann erst sichten und auswerten. Es kann allerdings sein, dass die Akzeptanz der Entscheidung besser ist, wenn man die Positionen der anderen schon bei der eigenen Positionierung mitbekommt.

Feedback gewünscht

Wenn Sie Fragen dazu haben, nur zu, schreiben Sie hier einen Kommentar oder schicken mir eine Mail. Auch über Ihre Erfahrungen mit dem System würden wir uns freuen.

Zurück